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Förderpreis für tolle Leistungen Erzeugerzusammenschluß setzt sich durch Westfälische Nachrichten, 10.10.2005
Steinfurt / Laer. Der Erzeugerzusammenschluß "Bunte Bentheimer Schweine GbR" mit Sitz an der Borghorster Straße 67 in Laer, vertreten durch den Landwirt Martin Büning, wurde jetzt mit dem ersten Preis im Wettbewerb "Natürlich regional 2005" ausgezeichnet. Das geht aus einer Pressemitteilung des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege hervor. Die Jury bedachte damit die hervorragenden Leistungen der Regionalinitiative Erzeugerzusammenschluß "Buntes Bentheimer Schwein". Diese besteht aus den Landwirten Norwich Rüße (Steinfurt), Uwe Vennenmann (Steinfurt), Karl-Dieter Harms (Tecklenburg), Jan Hemmeke (Itterbeck), Martin Büning (Laer) und dem Metzgermeister Christoph Laschke (Heek). " Daß es sich bei diesem Erzeugerzusammenschluß Buntes Bentheimer Schwein um ökologisch wirtschaftende Betriebe handelt, die alle von den Verbandskontrollorganisationen zertifiziert sind, versteht sich mit Blick auf die Qualitätssicherung von selbst", heißt es in der Pressemitteilung weiter. Der Erzeugerzusammenschluß "Buntes Bentheimer Schwein" wurde für die Professionalität in der Regionalerzeugung und Regionalvermarktung ausgezeichnet. Der Wettbewerb wurde zum dritten Mal vom Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) zusammen mit dem Naturschutzbund (Nabu) veranstaltet. Sein Fazit: Die Professionalisierung der Regionalvermarktung nimmt weiter zu. Die Preisverleihung fand im Rahmen des Naturmarktes in Klaffenbach bei Chemnitz statt. 1000 Euro konnte Martin Büning stellvertretend für den Erzeugerzusammenschluß "Buntes Bentheimer Schwein" als ersten Pries entgegennehmen. Den zweiten Platz belegt "Pro Region Wesermrasch Oldenburg e.V." aus Niedersachsen und den dritten die Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz Tecklenburger Land für das Projekt "Synergie". Die von der Fachjury vorgenommene Auswertung der Bewerbungen zum Wettbewerb zeigte, daß auf dem Sektor der Regionalvermarktung eine massive Professionalisierung stattfindet. "Noch nie war die Beteiligung so gut und die Auswahl der Preisträger so schwierig", stellte Claus Obermeier, Vorstandsvorsitzender der Gregor-Louisoder-Stiftung und Auslober der Preisgelder fest. Durch den Aufwind, den die Regionalvermarktung erfahre, werde der Bezug zur heimischen Landwirtschaft wieder gestärkt. Ausgezeichnet wurden Regionalinitiativen, die in den Bereichen Regionalität, Umweltverträglichkeit und Qualitätssicherung beispielhaft sind.
Bunte Bentheimer Schinkenprodukte erfolgreich im Wettbewerb
Cloppenburg.24.09.2005.th
Auf dem diesjährigen SlowFood-Markt "Genuss im Nordwesten" auf dem Gelände des Museumsdorfes Cloppenburg haben sich beide Bunten Bentheimer-Schinkenprodukte erfolgreich bei der Wahl zum "Leckerbissen des Jahres" durchgesetzt.
Der 12 Monate gereifte "Ammerländer Schinken" vom Bunten Bentheimer Schwein unseres Mitglieds Arnd Müller vom Schinkenmuseum Apen erreicht sogar unter 23 zur Wahl stehenden Genuss-Produkten den 1. Platz. Der "Lufttrockene Westfälische Knochenschinken" vom Bunten Bentheimer Schwein unserer Mitglieder Maria und Martin Büning, Naturlandhof Büning - Laer, wurde auf den 4. Platz gewählt.
Die Besucher des Marktes waren aufgefordert, den "Leckerbissen des Jahres 2005" zu wählen. Dieser von SlowFood im Nordwesten ausgelobte Preis zeichnet das besondere Engagement für unverfälschten handwerklich hergestellten Genuss aus dem Nordwesten Deutschlands aus.
1158 Stimmen wurden bei der Wahl insgesamt abgegeben, davon erhielt der Ammerländer Schinken 129 Stimmen, und das, obwohl Arnd Müller berits um 13.00 Uhr an diesem Tag ausverkauft war und nur noch Kostproben anbieten konnte.
Tierische Vertreter des guten Geschmacks Von unserem Redakteur Tobias Böckermann, Osnabrück; Neue Osnabrücker Zeitung, 31.08.2005
Prinz Charles und Anneliese haben etwas gemeinsam: Sie sind beide Mitglied bei SlowFood - jedenfalls in gewisser Weise. Der englische Prinz jedenfalls liebt delikates Essen und engagiert sich deshalb als prominentestes von 90000 Mitgliedern in der weltweit aktiven Bewegung zur Verteidigung der kulinarischen Vielfalt. Anneliese dagegen ist ein Buntes Bentheimer Schwein und lebt im Nordhorner Zoo. Gemeinsam mit ihren Artgenossen ist sie gerade von SlowFood in die "Arche des guten Geschmacks" aufgenommen worden. Anneliese hat von ihrer Beziehung zu SlowFood allerdings weit weniger als Prinz Charles - jedenfalls potentiell. Denn der in Italien gegründeten Organisation geht es nicht darum, individuelles Leben zu retten - auch nicht das von Anneliese. Im Gegenteil: Die Nordhorner Sau und ihre Sippe sollen irgendwann als Braten oder Wurst verspeist werden, um so dem großen Ganzen, nämlich dem Erhalt ihrer Rasse, zu dienen. Seltene Haustiere, altes Gemüse oder verschollen geglaubtes Obst müssen möglichst genussvoll aufgegessen werden, meint SlowFood. Das Credo: Nur was genutzt wird, hat eine Zukunft: Viele, die sich bei SlowFood engaieren, treffen sich regelmäßig in einem so genannten Convivium. Von diesen Tafelrunden gibt es in Deutschland inzwischen über 50, darunter je eine in Oldenburg und in Osnabrück. Die Oldenburger unterhalten einen Kinderkochclub, und der wiederum hat die Bunten Bentheimer Schweine in diesem Jahr auf dem Arche-Hof von Helge Thoelen in Schwei in Ostfriesland kennen gelernt. Vom Geschmack überzeugt und um mitzuhelfen, diese rare Delikatesse zu bewahren, meldete das Convivium die "Swatbunten" als Passgiere für die "Arche des Geschmacks" an. Nach sorgfältiger Prüfung hat die deutsche Arche-Kommission die bedrohte Rasse jetzt in die Liste aufgenommen. Dort finden sich bereits Nutztiere wie die Diepholzer Moorschnucke, das Murnau-Werdenfelser Rind oder auch alte Zubereitungen wie der Ostheimer Leberkäse oder die traditionelle "Nordhessische Ahle Wurscht". Auf der internationalen Liste stehen ferner alte Käsesorten wie der französische Rove Brusse oder der echte Chesterkäse aus England, fast ausgestorbene Bohnensorten wie das Trasimeno-Böhnchen oder die amerikanische Pilgerväter-Gans. Die bei den Uffizien von Florenz angesiedelte Slow-Food-Stiftung für Biodiversität kümmert sich weltweit um die Dokumentation und Unterstützung dieser bedrohten Genüsse. Für Thomas Berling ist der Zuspruch von SlowFood für die Bunten Bentheimer ein weiterer wichtiger Mosaikstein im Bemühen um den Erhalt der Rasse. Berling ist Leiter des Tierparks Nordhorn und Vorsitzender des Vereins zur Erhaltung des Bunten Bentheimer Schweines. "Die Schwarzbunten sind leider immer noch die am stärksten bedrohte Schweinerasse Deutschlands. Nur wenn wir möglichst viele Menschen finden, die unser Motto "Erhalten durch Aufessen" wörtlich nehmen, gelingt uns die dauerhafte Rettung", meint Thomas Berling. Dass der bundesweit für die Bentheimer zuständige Verein bei seinem Bemühen auf dem richtigen Weg ist, zeigen Zahlen: Derzeit gibt es 200 Sauen und 47 Eber im Herdbuch - vor zwei Jahren waren es nur 30 Sauen und 10 Eber.
Buntes Bentheimer Schwein als offizieller Passagier in der Slow Food "Arche des Geschmacks" aufgenommen !
August 2005 / th
Vorstand und Geschäftsführung freuen sich bekanntgeben zu dürfen, daß "unser" Buntes Bentheimer Schwein mit Datum 15.08.2005 von SlowFood Deutschland ( www.slowfood.de ) zum offiziellen Passagier der "Arche-des-Geschmacks" ernannt wurde.
Die "Arche-des-Geschmacks" ist ein internationales Projekt von SlowFood. Ziel dieses Projektes ist es, lokale und regionale Lebensmittel, Nutztier- und Nutzpflanzenarten sowie Gerichte, die mangels Angebot auszusterben drohen, vor dem Vergessen zu retten. SlowFood selbst versteht sich dabei als "Lobby des Geschmacks" und hat sich 1986 in Italien als Antwort auf die rasante Ausbreitung des Fastfood und des damit einhergehenden Verlustes der Esskultur und Geschmacksvielfalt gegründet. In Deutschland ist SlowFood seit 1992 aktiv und hat inzwischen mehr als 5.000 Mitglieder.
Die bundesweite Ausrichtung sowohl von SlowFood in rund 50 Convivien ( lat. für Tafelrunde ) als auch von unserem Verein läßt die berechtigte Erwartung zu, daß in Zukunft mehr Produzenten und Genißer zusammenkommen werden, um gemeinsam dem "Vergessen" des einzigartigen Geschmacks des Bunten Bentheimer Schweines durch ein "Aufessen" der Produkte entgegenzutreten.
"PRO TIER" - Förderpreisverleihung an Familie Büning
07.08.2005 / th
Diesjähriger Preisträger des "PRO TIER"-Förderpreises für artgerechte Nutztierhaltung / Schwerpunkt Tierzucht ist in der Kategorie "Betriebe" der Naturlandhof unserer Mitglieder Maria und Martin Büning, Laer.
Der "PRO TIER"-Förderpreis wird jährlich durch die "Allianz für Tiere in der Landwirtschaft" vergeben, die unter Trägerschaft der Verbände Bund für Umwelt und Naturschutz e.V. ( BUND ), Deutscher Tierschutzbund e.V., Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. ( vzbv ) sowie der Schweissfurth-Stiftung steht.
Die Schrimherrschaft über den Preis wurde von Bundesministerin Renate Künast übernommen, die den Preis an Familie Büning im Rahmen einer Pressekonferenz in Anwesenheit der Verbandsspitzen Anfang September in Berlin persönlich übergeben wird ( www.allianz-fuer-tiere.de ).
Verein und Vorstand gratulieren Maria und Martin Büning zu diesem Erfolg und danken für das außerordentliche Engagement zum Erhalt der "Bunten Bentheimer".
"Im Bagno stünd ein schöner Schweinewald"
Maria Büning und Norwich Rüße wollen dort ein Gehege für ihre Bunten Bentheimer bauen Steinfurter Kreisblatt, 23.07.2005 - Von Hans Lüttmann;
Burgsteinfurt. Früher war das Schweinsein lustiger als heute. Sorglos konnte man sich im Schlammbad suhlen und seibern und nach Wurzeln wühlen; draußen gab es Schweineobst und Eicheltröge und drinnen geräumige Abteile mit sauberem Stroh. Heute gibt es überwiegend Massenmast in dunklen, engen Pferchen, wo das kurze unbewegte Leben auf Betonspaltenböden aus jedem Glücksschwein ganz schnell arme Säue macht. Hier zu Lande sind das meistens Deutsche Landrassen oder Pietrainschweine; und auch das war früher anders, als das Bunte Bentheimer noch nicht mit seinem guten Namen hadern musste. Aber dazu später mehr. Das Swatbunte hat offensichtlich wieder eine Zukunft: In einem Eichenmischwald im Bagno wollen die Biobauern Büning ( aus Laer ) und Norwich Rüße ( Hollich ) ein Gehege bauen und die Schweine ( sie gehören zu den am stärksten bedrohten Haustierrassen Deutschlands ) so in ihren ursprünglichen Lebensraum zurückversetzen. 24 bis 40 Schweine sollen dort praktisch in freier Wildbahn leben. Hutewaldprojekt heißt diese natürliche Art der Tierhaltung, die nicht nur landwirtschaftliche Vorteile haben soll: Das Freigehege im Bagno würde von den Schweinen gepflegt, die es von Kleinwuchs und Unterholz freihielten. Außerdem bliebe das Bunte Bentheimer als Naturgut erhalten. Schulen, Kindergärten und andere Interessierte könnten die alte Schweinerasse in ihrer historischen Lebensumgebung beobachten, würden aufgeklärt über Entwicklung und Viehzucht und bekämen einen Eindruck von der Vielfalt der Haustierrassen, die es früher einmal agb. Und schließlich würde die Stadt ohne nennenswerten finanziellen Aufwand durch eine touristische Attraktion reicher, die an die Ursprünge des Münsterlandes, der Landwirtschaft und den alten Rassen anknüpft. ( Ganz neu ist die Hutewald-Idee übrigens nicht: Schon in seinem Regionale-Leitbild "Bagno - Insel der Sinne" hatte Prof. Jörg Dettmar vorgeschlagen, im nördlichen Bereich eine Waldweide für Wisente und andere urtümliche Rinder zu schaffen.) Die Gespräche mit den Beteiligten ( Fürstenhaus, Forstamt, Landrat und Verkehrsverein ) laufen gut, sagt Norwich Rüße und hofft, daß es schon im nächsten Jahr etwas wird mit dem Hutewald im Bagno, der etwa eine Fläche von drei bis vier Hektar beanspruchen würde. Zurück zum Swatbunten Bentheimer, das Mitte des 19. Jahrhunderts aus einer Kreuzung von englischen Berkshire-Schweinen und hiesigen Landrassen in Bentheim, Cloppenburg und Wettringen entstand. Die lebhaften Tiere sind ausgesprochen anspruchlos, langlebig und robust, sehr stressstabil und weidetauglich und galten lange Zeit als beliebter Lieferant hochwertiger Fleisch- und Wurstprodukte. Mit dem Aufkommen des Wirtschaftswunders änderten sich aber die Verbrauchergewohnheiten; fettarmes Fleisch war gefragt, das die Bunten Bentheimer nicht liefern konnten. Wie viele andere alte Haustierrassen verschwand so auch das Swatbunte von der Bildfläche und geriet an den Rand des Aussterbens. Nur ein Bauer aus Bentheim stemmte sich dagegen und gilt heute als Erhalter dieser Rasse, von der es mittlerweile wieder gut 100 Sauen und 25 Eber gibt. Das Hutewald-Projekt im Bagno soll helfen, die Bestände weiter zu erholen. Aber Werbung alleine reicht natürlich nicht, auch wenn sie noch so lebensnah daherkommt. Deshalb kämpft der 2003 gegründete "Verein zur Erhaltung des Bunten Bentheimer Schweines" mit einem vordergründig eher seltsamen anmutenden Schlachtruf gegen das Aussterben an: "Erhalt durch Aufessen". Nur gut, dass die Swatbunten nicht wissen, was das Schweinsein wieder lustig machen soll... .
"Swatbuntes ist kein Mode-Schwein"
Verein baut Bestand der alten Haustierrasse auf
Grafschafter Nachrichten - 15. Juli 2005
Apen / GN - Paradox erscheint das Motto "Erhalten durch aufessen" des Vereins zur Erhaltung des Bunten Bentheimer Schweines e.V. nur auf den ersten Blick. Denn obwohl die gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhundert für die Schweinezucht auf den Höfen zuständigen Bäuerinnen das Bunte Bentheimer auch wegen des interessanten Aussehens für die Haltung ausgewählt hatten, war es doch zu jeder Zeit ein Nutztier. Und genutzt wurde damals praktisch das ganze Tier und nicht nur das Fleisch. Die sich verändernden Verbrauchergewohnheiten in den 50er-Jahren des vorigen Jahrhunderts waren verantwortlich für den Rückgang der Zucht der "Swatbunten". Nicht der Erhalt eines "Mode-Schweines", sondern der Aufbau und die Sicherung des Bestandes und der Vermarktung einer alten und angepassten Haustierrasse stehen daher im Vordergrund der Arbeit des Vereins zur Erhaltung des Bunten Bentheimer Schweines. Vor kurzem lud der Verein seine Mitglieder zum Züchtergrillabend in das Schinkenmuseum der Familie Müller in Apen ein. Rund 40 Schweinefreunde waren der Einladung ins Ammerland gefolgt. Beim saftigen Nackensteak und der legendären Rostbratwurst vom Bunten Bentheimer Schwein vom Grill tauschten die Züchter und Halter der "Swatbunten" in gemütlicher Atmosphäre ihre Erfahrungen im Umgang mit der vom Aussterben bedrohten Schweinerasse aus. Den weitesten Weg zum alljährlichen Treffen hatte Mitglied Karl-Bernhard Paque aus Rauschenbach in Rheinland-Pfalz. Er ist vor rund sechs Wochen als 120. Mitglied dem Verein beigetreten. Neben den Bunten Bentheimer Schweinen hält er auf seinem Hof Ziegen und stellt Ziegenkäse her. Arnd Müller betreibt die Schinkenräucherei in Apen seit einigen Jahren als Schinkenmuseum. Rund 200 Schinken räuchert er jedes Jahr und lässt sie mindestens zwölf Monate reifen. Zum Züchtergrillabend schnitt er den ersten Schinken vom Bunten Bentheimer an, den er vor 16 Monaten vom Mitglied und ehrenamtlichen Geschäftsführer des Vereins, Helge Thoelen, erworben hatte. Das Urteil der Probeverkostung der Gäste: hervorragend. Anschließend führte Müller die Besucher durch sein Schinkenmuseum und vermittelte einen Einblick in alte Räucherkünste. Der erste Vorsitzende des Vereins Thomas Berling und Geschäftsführer Helge Thoelen nutzten die Gelegenheit und stellten den neuen Flyer über den Verein zur Erhaltung des Bunten Bentheimer Schweines vor. Auf sechs Seiten gibt es Informationen und Fotos vom bunt gescheckten Schwein.
Schweinerasse durch Aufessen erhalten
allgemeine fleischer zeitung, 18. Mai 2005 Kooperationsgemeinschaft will Buntes Bentheimer Schwein erhalten
afz/kl, SÜDERSCHWEI. Um einige hundert Kilometer von Nordwestdeutschland nach Bayern zu fahren, hatten Helge Thoelen aus Süderschwei im Kreis Wesermarsch und Arnd Müller aus Apen im Ammerland einen triftigen Grund. Eine Schinkenräucherei wurde auf das Fleisch des Bunten Bentheimer Schweins umgestellt.
Thoelen, der einen so genannten Arche-Hof mit vom Aussterben bedrohten Nutztierrassen bewirtschaftet, und Müller von der F.W. Meyer-Schinkenräucherei stellten nämlich beim zweiten Bundestreffen der "Regionalbewegung" in Feuchtwangen ihre neu geschaffene Kooperationsgemeinschaft vor. Deren Ziel: Die gesamte Jahresproduktion der in neunter Generation betriebenen Räucherei soll auf das Fleisch von Bunten Bentheimer Schweinen umgestellt werden - und die zählen zu den seltenen Tieren, die Thoelen vermarktet. So soll die Rasse nach der Maxime "Erhalten durch Aufessen" dauerhaft gerettet werden. Helge Thoelen stützt sich dabei auf die Gleichgesinnten vom "Verein zur Erhaltung des Bunten Bentheimer Schweines". Dem Verein gelang es seit seiner Gründung vor zwei Jahren, die Zahl der Zuchttiere von 70 auf rund 230 zu steigern. Rund 60 Zuchtbetriebe in acht Bundesländern sind erfasst, und auch eine bundesweite Herdbuchführung wurde mittlerweile eingeführt. Bis zu 200 Schinken pro Jahr reifen in dem 1850 errichteten Rauch- und Reifehaus der Firma F.W. Meyer heran. Im Durchschnitt hängen sie 15 Monate auf dem Reifeboden. In diesem Jahr wurden erstmals 24 frische Keulen von Bunten Bentheimer Schweinen geliefert. "Zur Spargelzeit 2006 werden Sie ihre volle Reife erreicht haben", freut sich Arnd Müller. Doch schon jetzt konnten sich Ernährungsexperten und andere Besucher des Bundestreffens einen ersten geschmacklichen Eindruck verschaffen. Denn beim "Markt der Möglichkeiten" wurden schonend und nach alten Handwerksmethoden hergestellte Schinken verköstigt - so auch solcher von den Bunten Bentheimer Schweinen. Angetan von Geschmack und Qualität zeigte sich zum Beispiel Prof. Dr. Hans-Ulrich Hensche, Dekan des Fachbereiches Agrarwirtschaft an der Fachhochschule Südwestfalen. Die Kooperationsgemeinschaft zwischen dem Thoelen-Hof und der F.W. Meyer-Schinkenräucherei war das einzige Modellprojekt aus Niedersachsen, das auf dem "Markt der Möglichkeiten" vorgestellt wurde. Der "Markt der Möglichkeiten" war einer der wichtigsten Programmpunkte des dreitägigen Bundestreffens der "Regionalbewegung", die sich erst im März 2005 als Bundesverband konstituiert hatte - hervorgegangen aus dem "Aktionsbündnis Tag der Regionen". Dem siebenköpfigen Bundesvorstand gehören unter anderem Jochen Dettmer, Bundesgeschäftsführer des Neuland-Qualitätsfleischprogramms, Josef Jacobi, Aufsichtsratsvorsitzender der Upländer Bauernmolkerei, und Elmar Schäfer an. Schäfer ist zugleich Bundesvorsitzender der Katholischen Landjugendbewegung Deutschlands. Als Vorsitzender des Bundesverbandes Regionalbewegung fungiert Heiner Sindel von der Regionalinitiative "Artenreiches Land - Lebenswerte Stadt" in Feuchtwangen. "Paten" sind z.B. Maria Heubuch vom Vorstand der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Dr. Angelika Zahrnt ( Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland ) und Olaf Tschimpke ( Präsident des Naturschutzbundes Deutschland ) sowie Bundesverbraucherschutzministerin Renate Künast. Als Schirmherr des Bundesverbandes Regionalbewegung wurde der CSU-Bundestagsabgeordnete Josef Göppel, Vorsitzender des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege, gewonnen. Der betonte auf dem Bundestreffen in Feuchtwangen: "Die Regionalbewegung zeigt, dass wir der Globalisierung nicht ohnmächtig gegenüber stehen müssen. Jeder Einzelne kann zur Belebung regionaler Wirtschaftskreisläufe und damit zur Attraktivität seines unmittelbaren Lebensumfeldes beitragen."
Züchter entdecken alte Rasse
Dienstag, 08. März 2005, Westfälische Nachrichten ( Tecklenburg ) "Bunte Bentheimer"-Schweine fühlen sich in Ledde sauwohl
-so- Tecklenburg-Ledde. Ihr nicht gerade tierfreundlich klingendes Motto lautet "Erhalten durch Aufessen". Dahinter steckt auch ein wirtschaftliches Denken, dennoch muss man den Vereinsmitgliedern ein großes Lob aussprechen: Sie haben es in nur zwei Jahren geschafft, Deutschlands vom Aussterben bedrohteste Schweinerasse eben davor zu bewahren. Die Rede ist vom Verein "Bunte Bentheimer", der sich Anfang 2003 gegründet hat, um diese Rasse zu retten. Kennzeichen: fleckiges Fell, große Schlappohren. Am Wochenende fand im LeWe-Fachwerkhaus die Jahreshauptversammlung des 117 Mitglieder starken Vereins statt. Aus acht Bundesländern waren rund 60 Halter angereist. Der Biolandhof Feldmann unter Betriebsleitung von Klaus Glombowski züchtet ebenfalls Bunte Bentheimer. Die Züchter und Fördermitglieder freuten sich über eine Betriebsführung und Besichtigung der Ledder Werkstätten. Zufälligerweise waren vor drei Tagen sechs Frischlinge geboren worden. Das Bunte Bentheimer ist ein niedersächsisches-westfälisches Schwein, daß vor zwei Jahren mit nur noch 50 registrierten Tieren seiner Art ernsthaft bedroht war. Die Rasse war in Vergessenheit geraten, weil sie nicht besonders wirtschaftlich ist. "Die Schweine wachsen langsamer und können nicht so schnell gemästet werden", so Vereinsvorsitzender Thomas Berling. Mittlerweile existieren 55 Züchterbetriebe in Deutschland mit 225 registrierten Tieren. "Das Bentheimer hat sich zu einem Imageträger der Region Bentheim entwickelt", so Berling. Freitagabend trafen sich die Vereinsmitglieder im Fachwerkhaus zum Züchterabend mit Fachaustausch am Kamin. Samstag war Jahreshauptversammlung, bei der Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf, Vizevorsitzender des EU-Agrarausschusses zum Thema "Erhalt der genetischen Vielfalt aus EU-Sicht" referierte. Auch Dr. Thomas Griese, Staatsekretär des Landesministeriums für Umwelt und Naturschutz, sprach Grußworte. Zusätzlich präsentierten Geschäftsführer Helge Thoelen und Thomas Berling die neue Marke "Buntes Bentheimer": Bedruckte Tassen, T-Shirts und Hofschilder gibt es für Werbezwecke.
Die Bunten Bentheimer Schweine werden bei Züchtern immer beliebter
Grafschafter Nachrichten v. 07.03.2005
Tagung Verein zur Erhaltung der Rasse zieht positive Bilanz
Tecklenburg / Nordhorn / gn - Bereits zwei Jahre nach der Gründung des Vereins zur Erhaltung der Rasse des Bunten Bentheimer Schweines zog Thomas Berling als 1. Vorsitzender während der diesjährigen Tagung am Wochenende eine überaus positive Bilanz. Inzwischen zählt der Verein 117 Mitglieder und davon 56 Zuchtbetriebe in acht Bundesländern. Der Zuchttierbestand erholte sich von etwa 70 Schweinen im Gründungsjahr 2003 auf jetzt 225 Tiere ( davon 41 Eber ). Die erfreuliche Entwicklung des Bestandes der Bunten Bentheimer Schweine ist somit äußerst bemerkenswert, die akute Bedrohung dieser alten Nutztierrasse ist gestoppt. Zahlreiche Gäste konnten in einem der Ursprungsgebiete des Bunten Bentheimer Schweines, dem Landkreis Steinfurt, zu der zweitägigen Tagung begrüßt werden. Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt seit neun Jahren die Erhaltungsbemühungen dieser vom Aussterben bedrohten Regionalrasse. Der 1. Vorsitzende der Gesellschaft zur Erhaltung alter Nutztierrassen ( GEH ), Mathias Vogt, lobte die rasante und effektive Vereinsarbeit und das inzwischen bundesweit geführte Zuchtbuch, das durch die Niedersächsische Erzeugergemeinschaft für Zuchtschweine ( NEZ ) betreut wird. Der Grafschafter Gerhard Schulte-Bernd, seit vielen Jahren Züchter der Bunten Bentheimer, wurde in dem Referat des Vize-Vorsitzenden des EU-Agrarausschusses, Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf, für seine Hartnäckigkeit besonders hervorgehoben. Mehrere Jahrzehnte züchtete Schulte-Bernd als Einzelkämpfer die alte Schweinerasse. Nach seinen Worten muss diese alte Rasse als wichtiges Kulturgut und Genreserve erhalten werden. Das Motto "Erhalten durch Aufessen" wird derzeit forciert und ist die Hauptaufgabe der nächsten Jahre. Nur mit einer regionalen Nischenproduktion und -vermarktung des Qualitätsfleisches können die Bunten Bentheimer als bedrohte Nutztierrasse auf Dauer vor dem Aussterben gerettet werde. Der Imageträger der Grafschaft wird inzwischen in acht Bundesländern und auch bereits in den Niederlanden gezüchtet. Ein großer Erfolg des vergangenen Jahres ist die Eintragung des geschützten Markenzeichens "Bunte Bentheimer".
Ein Schwein grunzt sich ins Rampenlicht
Grafschafter Nachrichten v. 15.01.2005
DELIKATESSE Grafschafter Zucht weckt Aufmerksamkeit - Reportage im NDR
Großes Interesse an kleinen Schweinereien: Immer öfter halten "Bunte Bentheimer" ihre Rüssel in die Kamera. Das freut die Züchter - wirft aber auch die Frage auf, ob sie eine Marktlücke entdeckt haben oder ein Nischenprodukt aufpäppeln. Der NDR berichtet in seiner Fernsehsendung "Markt" über diese alte Grafschafter Haustierrasse.
Von Andre Berends OSTERWALD / VOLZEL - Drei säftige Äpfel kullern durch den Schweinestall des Landwirts Harm Hoppen in Osterwald. Ein zaghaftes Quieken dringt aus der kleinen Box am Ende des Ganges. Leises Rascheln im Stroh. Ein rosa Rüssel ragt aus der Tür und schnuppert den Stallboden ab. Was tun ? Der verlockenden Fährte folgen oder weiter relaxen ? Der Duft der reifen Frucht ist eindeutig stärker als die Scheu vor den fremden Menschen, die im Gang stehen. Peter Linskens stellt seine Kamera auf den Boden. Nur noch ein paar Schritte, dann wären die Bilder im Kasten. Doch die kleinste Bewegung des Kameramanns reicht aus, um die drei ersten Schweinchen in die Flucht zu schlagen. Neuer Versuch, diesmal mit mehr Äpfeln. Die Ferkel indes haben fürs erste offensichtlich genug vom Fernsehen. Einsatz Harm Hoppen: Der Osterwalder steigt in die Box und greift beherzt in das rosa Knäuel - es quiekt, als rufe der Spieß. Nur Sekunden später verstummt der Schrei. Behutsam setzt Harm Hoppen das Ferkel direkt vor der Kamera ab - und mit einem Mal sind die Äpfel gar nicht mehr so interessant. Richtig schöne Schweinsnasen habe die Redaktion in Hamburg haben wollen, sagt Larissa Scheler, freie Mitarbeiterin des NDR-Magazins "Markt". Und die bekommt sie: Die fünf Ferkel haben ihre Furcht abgelegt, beschnuppern ausgiebig ihrer Gäste und naschen gelegentlich etwas Streuobst. Das seien die Tiere, die er kenne, meint Harm Hoppen. Gutmütig, ruhig, stressstabil - alles Eigenschaften, die das "Bentheimer Landschwein" besonders auszeichneten. Er öffnet die Stalltür und lässt die Gruppe nach draußen in einen Auslauf. Während der Nachwuchs das Gras pflügt, stellt sich Harm Hoppen den Fragen von Larissa Scheler. Seit 9.30 Uhr dreht das Team schon in Osterwald. Jetzt ist es kurz vor zwölf. Vier Minuten soll der Beitrag lang werden. Pro Minute rechne man mit einer Stunde Aufwand, sagt die TV-Journalistin. Die Ausstrahlung ist für nächsten Montag, 17. Januar, ab 20.15 Uhr im NDR Fernsehen geplant. Die wühlende Wutz ist jedoch nicht das einzige Motiv, das ihr Team einfangen will. Janette Hoppen hat mehrere Kisten mit Fleisch in die Küche gebracht. Nun soll es um die Erzeugnisse des "Bunten Bentheimers" gehen, erklärt Larissa Scheler. Janette Hoppen packt aus: Bierknacker, Bauernmett, Griebenschmalz mit Fleischwürfeln und einen großen Schinken legt sie auf den Tresen. Später filmt Peter Linskens dann noch einen Schweinebraten, der mit Hackfleisch und Backobstvariationen gefüllt ist. Ein schmackhaftes Tellergericht ist auch der Grund, dafür, dass der "Grafschafter Landservice" die Delikatesse auf seine Menükarte gesetzt hat. Mittlerweile bieten auch Gastwirte das "Bunte Bentheimer" an, wie Gisela Hans aus Volzel bei Emlichheim. Seit dem vergangenen Oktober brät sie die Spezialität in ihrem Gasthof: "Das Bratverhalten ist klasse, das Fleisch ist sehr fest." Bisher seien es vor allem Fahrradtouristen gewesen, die das "Bentheimer Landschwein" gegessen hätten. Jetzt hoffe sie, auch Kloatscheeter ( Anm.: = Klotschießen, neben Boßeln traditionelle Sportart im Nordwesten ) zu versorgen, sagt Gisela Hans dem NDR-Fernsehteam. Eine äußerst positive Entwicklung sieht auch Harm Hoppen. Ob sich das "Bunte Bentheimer" aber jemals als Kassenknüller durchsetzen wird, sei zu bezweifeln, sagt er. Der hohe Preis - der durch die Fleischqualität und die hohen Erzeugerkosten zwar durchaus gerechtfertigt sei - erlaube den acht Züchtern in der Grafschaft Bentheim bislang nur die Direktvermarktung ab Hof. Doch um große Gewinne gehe es den Erzeugern beim "Bunten Bentheimer" auch gar nicht: "Erhalten durch Aufessen" sei die Devise, um den Fortbestand der alten Rasse zu sichern.
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