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Herdbuchführung der Bunten Bentheimer gesichert
Bundesweite Züchtervereinigung "NORDSCHWEIN" gegründet
sw 17.11.2008 Neuenkirchen. Die Fortführung des Herdbuches der vom Aussterben bedrohten Bunten Bentheimer Schweine ist gesichert. Nachdem sich im vergangenen Juni die Niedersächsische Erzeugergemeinschaft für Zuchtschweine ( NEZ ) in Oldenburg, die bisher bundesweit das Herdbuch der Bunten Bentheimer führte, aufgelöst hat, ist es nun den Züchtern und Freunden des Bunten Bentheimer Schweines gelungen, am vergangenen Sonntag eine eigenständige Züchtervereinigung zu gründen. Rund 35 Herdbuchzüchter und Interessierte trafen sich in der Gaststätte Landidyll Wilmink in Neuenkirchen bei Rheine, um über die Gründung eines eigenständigen Zuchtverbandes zu beraten und zu beschließen. Nach ausführlichen Diskussionen stellten die Züchter fest, dass derzeit die Gründung einer eigenen Züchtervereinigung der beste Weg ist, das Herdbuch für die Bunten Bentheimer Schweine nachhaltig zu sichern. Und das in einer sehr schwierigen und immer komplexer werdenden Zeit, in der sich andere bestehende Züchtervereinigungen auflösen. "Das alles können wir nur mit erheblichem ehrenamtlichen Engagement leisten", erklärt Helge Thoelen und zählt auf die Mitarbeit der eigenen Mitglieder im Verein zur Erahltung des Bunten Bentheimer Schweines e.V. und der zukünftigen Herdbuchzüchter der neuen Züchtervereinigung, die den Namen "NORDSCHWEIN" trägt. "Auch die Unterstützung und dem Einsatz einiger Personen, vor allem in den zuständigen Institutionen in Nordrhein-Westfalen haben wir es zu verdanken, dass wir heute den Fortbestand unserer Herdbuchzucht sichern können", stellte Thoelen fest.
Der Start in die eigenständige Herdbuchführung wurde darüber hinaus ermöglicht durch Projektmittel, die die Landwirtschaftliche Rentenbank und der Tierzuchtfonds / Zukunftsstiftung Landwirtschaft bereitgestellt haben.
Dabei gingen die Initiatoren noch einen deutlichen Schritt in der Rasseerhaltung weiter. Mit der Gründung der bundesweit tätigen "NORDSCHWEIN" will die neue Züchtervereinigung in Zukunft auch anderen vom Aussterben bedrohten Schweinerassen wie beispielsweise den Angler Sattelschweinen oder den "Rotbunten Husumern" die Möglichkeit der Herdbuchführung anbieten.
Zum ersten Vorsitzenden wurde der langjährige Herdbuchzüchter Dr. Gerd Manecke aus Hessen gewählt. Zum zweiten Vorsitzenden wählten die Gründungsmitglieder Eike Fandrey vom Haustierpark Arche Warder aus Schleswig-Holstein. Schatzmeisterin ist Maria Büning vom Naturlandhof Büning in Laer, wo auch die NORDSCHWEIN ihren Sitz haben wird. Zum Geschäftsführer wurde Helge Thoelen verpflichet. Zur Zuchtleiterin wurde die Tierärztin Dr. Cora Kolk aus Neuss berufen, die bereits seit dem Bestehen des Vereins zur Erhaltung des Bunten Bentheimer Schweines e.V. den Züchtern mit Anpaarungsplänen und Inzuchtberechnungen zur Seite steht. Nun muß die Arbeit der Züchtervereinigung von den zuständigen Länderstellen zur bundesweiten Tätigkeit zugestimmt werden und die Anmeldung im Vereinsregister zum eingetragenen Verein ( e. V. ) beantragt werden. Die ordnungsgemäße Arbeit kann die NORDSCHWEIN e.V. dann in einigen Wochen aufnehmen und die Herdbuchzucht der vom Austerben bedrohten Schweinerassen durchführen.
Auf dem Photo - v. li. n. re. - Eike Fandrey, Helge Thoelen, Maria Büning, Dr. Cora Kolk, Dr. Gerd Manecke - ( Photo: Westhuis )
"Wir machen es selbst !"
Zur Fortführung des bundesweiten Zuchtbuches "Buntes Bentheimer Schwein"
Bekanntermaßen stellt die Niedersächsische Erzeugergemeinschaft für Zuchtschweine eG ( NEZ ) zum 30.06.2008 ihren Betrieb ein - und damit auch die Zuchtbuchführung für das "Bunte Bentheimer Schwein".
Auf diesem Weg möchten wir uns bei allen MitarbeiterInnen der NEZ für die vertrauensvolle Zusammenarbeit in den letzten 5 Jahren bedanken. Zusammen haben wir, Verein und NEZ, in den letzten Jahren für das "Bunte Bentheimer" viel erreichen können - beispielhaft seien hier die Steigerung der Population der eingetragenen Herdbuchtiere und das Anwachsen der Zuchtbetriebe zu nennen. Dieses auch als modellhafter "Nachweis", was die Rettung einer bedrohten Rasse entscheidend nach vorne bringt: Die Zuchtbuchführung einer bedrohten Population in einem bundesweiten Zuchtbuch !
Deshalb kann das Motto für uns nach dem 30.06.2008 nur lauten:
"Forward ever, backwards never ! " ( Weiter vorwärts, nie zurück ! )
Aus diesem Grund und nach Sondierung sämtlicher Varianten zur Fortführung des bundesweiten Zuchtbuches, hat sich der Verein entschlossen gemäß TierZuchtgesetz einen Antrag auf Gründung und Anerkennung einer bundesweiten Züchtervereinigung zu stellen. Diese wird nach erfolgter Anerkennung unter der Bezeichnung "ZV NORDSCHWEIN e.V" das bundesweite Zuchtbuch für die "Bunten Bentheimer" fortführen.
Dieser Schritt ist selbstverständlich nur mit Hilfe und Unterstützung unserer Mitglieder, Züchter, Freunde und Förderer umzusetzen - aber wir sind bereit, diesen Schritt zu wagen.
Förderung durch die Landwirtschaftliche Rentenbank
Als ersten Erfolg auf unserem Weg in die Selbstständigkeit, freuen wir uns außerordentlich über die Bewilligung von Fördermitteln der Landwirtschaftlichen Rentenbank, die für das Projekt "Aufbau einer bundesweiten Züchtervereinigung mit Herdbuchführung" im Rahmen "einer für das Allgemeininteresse wahrenden Förderung der Landwirtschaft und des ländlichen Raumes" bereitgestellt wurden. Diese Mittel werden für die ersten Schritte genutzt werden: Staatliche Anerkennung, juristische Unterstützung, Schulung von "Kör-Beauftragten", Organisation und Leitung der ZV. Ohne diese Fördermittel wäre ein Antrag auf Anerkennung als selbstständige Züchtervereinigung zu diesem Zeitpunkt nicht möglich gewesen.
Infos zur Rentenbank: www.rentenbank.de
Helge Thoelen - 28.06.2008
Drehscheibe und Dreharbeiten
Im Mai besuchte ein Fernseh-Team des ZDF das Ammerland und Ostfriesland, um für die Sendung "Drehscheibe" einen Bericht über den "Ammerländer Schinken" und dessen "Verbindung" zum "Bunten Bentheimer" zu drehen. Die Dreharbeiten fanden auf den Betrieben unserer Mitglieder Hans-Jürgen Franzen ( Biohof Franzen ), Arnd Müller ( Schinken-Museum ) und Claas Krüger ( Fritz Krüger GmbH ) statt.
"Dokumentiert" wurden die Dreharbeiten auch durch folgendes Photo: Gemäß dem Slogan" Mit dem Zweiten sieht..." präsentieren sich Arnd Müller, Hans-Jürgen Franzen und das Team des ZDF.
Bentheimer Schweine für Norwegen
Alte Rasse aber weiter gefährdet
von Tobias Böckermann - Meppener Tagespost
tb Nordhorn. Dem Bunten Bentheimer Schwein geht es wieder etwas besser. Fünf Jahre nch Gründung des bundesweit tätigen Erhaltungsvereins ist der Bestand von 50 auf 572 Zuchttiere gestiegen. Im Sommer werden zehn Schweine nach Norwegen exportiert.
Vorsitzender Helge Thoelen zog zu Beginn der Generalversammlung des "Vereins zur Erhaltung des Bunten Bentheimer Schweines" eine positive Bilanz. Nicht nur die Zahl der Tiere habe sich annähernd verzwölffacht. Es gebe auch außer Berlin kein Bundesland, in dem die "Swatbunten" nicht gehalten werden. Mit dem Naturlandhof von Thorsten Kollmann aus Menslage im Landkreis Osnabrück wurde der 100. Herdbuchzuchbetrieb in den Verein aufgenommen. Er hat 200 Mitglieder. 
Seit einigen Jahren gibt es Zuchttiere in Luxemburg und in den Niederlanden. Dort stehen 41 weitere Sauen und Eber in den Ställen, und Ende März wird ein eigener Erhaltungsverein mit Option auf ein neues Zuchtbuch für die Bentheimer eingerichtet - es wäre das einzige für Schweine im ganzen Nachbarland.
"Trotz dieser Erfolge stehen wir vor großen Aufgaben", sagte Thoelen im Tierpark Nordhorn, wo der Verein auch seit seiner Gründung 2003 seinen Sitz hat. "Weil sich die bisher zuständige Niedersächsische Erzeugergemeinschaft für Zuchtschweine zur Jahresmitte auflöst, muss das Zuchtbuch von anderen fortgeführt werden. Wir arbeiten mit dem Landwirtschaftsministerium Hannover an der Fortführung der zentralen Zuchtbuchführung für ganz Deutschland", so Thoelen.
Er sei zuversichtlich, dass der Schritt gelinge. "Die Zeit des gegenseitigen Schulterklopfens ist allerdings vorbei", warnte Thoelen. "Wir benötigen die Unterstützung von Politik und Gesellschaft."
Zumindestens der Papierform nach lässt sich die Bundesregierung als Unterstützer seltener Haustierrassen ausmachen. Sie hat das Tierzuchtgesetz erneuert und dabei großen Wert auf den Erhalt alter Rassen gelegt. Auch die sogenannte "Sektorstrategie Agrobiodiversität", die der aus Bonn angereiste Ministerialrat Immo Weirauch in Nordhorn vorstellte, deutet in diese Richtung.
Er betonte, von 63 heimischen Nutztierrassen seien 50 in ihrem Überleben gefährdet. Um diesen Trend entgegenzuwirken, wolle die Bundesregierung die Überwachung alter Rassen verstärken, Genreserven einrichten, die Forschung verstärken und vor allem alle am Erhalt der alten Rassen Beteiligten vernetzen. Langjähriger Unterstützer in dieser Angelegenheit ist auch der Bundestagsabgeordnete Dieter Steinecke ( SPD ). Er betonte in Nordhorn, er werde sich weiter für die Tiere einsetzen.
Enstanden war das Bunte Bentheimer Schwein im 19. Jahrhundert in fünf Landkreisen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, darunter die namengebende Grafschaft Bentheim und das Emsland. In den 1960er Jahren geriet es in Vergessenheit und wurde nur von Gerhard Schulte-Bernd aus der Grafschaft Bentheim weitergezüchtet. Noch immer ist es vom Aussterben bedroht.
Grafschaft würdig auf der Grünen Woche vertreten Berlin, 25. Januar 2008
Von Mensch und Tier war die Grafschaft Bentheim bei der diesjährigen Grünen Woche in Berlin vertreten. Bei einem Rundgang über die Agrar- und Ernährungsschau ließ es sich der Bundestagsabgeordnete Dieter Steinecke nicht nehmen, den ausgestellten Bunten Bentheimer Schweinen einen Besuch abzustatten. Mit dem Vorsitzenden des Vereins zu Erhaltung der bedrohten Nutztierrasse, Helge Thoelen, begutachtete der Abgeordnete mit Kennnermiene Zuchtsau Alanis und ihre Ferkel. Zwar lebt Alanis normalerweise auf einem Bauernhof in Brandenburg, doch sie hat familiäre Bindungen in die Region: Eine direkte Verwandte ist Steineckes Patenschwein Agathe im Nordhorner Tierpark. Steinecke betonte im Gespräch mit Thoelen und Alanis´Besitzerin Mechthild Ockenga, seine Wertschätzung für das Bentheimer Schwein: "Es ist ein schönes Tier, es ist ein ausgesprochen wohlschmeckendes Tier und daher ein absolut positiver Botschafter für die Grafschaft Bentheim. Ich bin sehr froh, daß sich mittlerweile in ganz Deutschland Züchter wie Sie finden, die diese traditionelle Nutztierrasse vor dem Aussterben bewahren. Daher unterstütze ich den Verein zur Erhaltung des Bunten Bentheimer Schweines mit Nachdruck." Photo v. li.: Dieter Steinecke, MdB - Züchterin Mechthild Ockenga - Vorsitzender Helge Thoelen.
Warum eigentlich ?
Kommentar von Tobias Böckermann, Meppener Tagespost
Die gute Bilanz des Vereins zur Erhaltung des Bunten Bentheimer Schweines spricht für sich. Dennoch: Bundesweit gibt es mehr als 2,5 Millionen Zuchtsauen, darunter nur 462 Bentheimer. Zudem bleibt die Vermarktung der Tiere schwierig, erst recht bei den derzeit schlechten Erzeugerpreisen.
Warum also soll ein Schwein erhalten werden, das ohne gezieltes Engagement den Markt nicht überleben würde ? Aus einer Reihe von Antworten die beiden wichtigsten:
1. Das Bunte Bentheimer Schwein ist ein Stück Kulturgeschichte.
2. Klimawandel und steigende Energiepreise könnten in Zukunft eine robustere Art der Schweinehaltung notwendig machen. Dann benötigt man vielleicht alte Rassen wie die Bentheimer - zur Einkreuzung in moderne Hochleistungstiere.
Die Politik muss deshalb ihren Erhaltungsbeitrag leisten. Etwa indem sie die zentrale Fortführung des Herdbuches unterstützt.
100. Herdbuchzuchtbetrieb
Der Naturlandhof Thorsten Kollmann aus Menslage ist als 100. Zuchbetrieb in den Verein zur Erhaltung des Bunten Bentheimer Schweines aufgenommen worden. Die offizielle Aufnahme erfolgte während der Jahresmitgliederversammlung des Vereins und wurde durch Annette Alpers - Naturlandberatung NRW - , Everhard Hüsemann - Bundespräsidum Naturland - und Helge Thoelen - Vereins-Vorsitzender - vorgenommen. Fünf Jahre nach seiner Gründung hatte der Verein im Tierpark Nordhorn die Jahresmitgliederversammlung zu einer positiven Bilanz genutzt. So ist der Zuchtbestand der noch immer vom Aussterben bedrohten alten Haustierrasse seit 2003 auf 572 Tiere gestiegen. Der Verein hat 200 Mitglieder und ist bundesweit tätig.
Das Photo zeigt von links: Annette Alpers, Everhard Hüsemann, Thorsten Kollmann und Helge Thoelen.
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